© 2018 Michaela Rabe
Szenen
Willkommen bei den TURT/LEs (spielt vor ‚Gefährlicher Einsatz‘, Bd. 1 der TURT/LEs) SEAL Basis, Coronado                                                                        Kyla   Mosley   blieb   hinter   dem   Tor   stehen   und   sah   sich   auf   ihrer   neuen   Heimatbasis   um.   Als Mitglied   des   SWAT-Teams   der   New   Yorker   Polizei   hatte   sie   viel   erlebt,   aber   auf   einem   Militär- Stützpunkt   war   sie   bisher   noch   nie   gewesen.   Alles   erschien   ihr   laut,   hektisch   und   chaotisch   und   es waren   fast   ausschließlich   Männer   zu   sehen.   Kräftige,   durchtrainierte   Männer.   Grinsend   strich   Kyla ihre   langen   blonden   Haare   zurück.   Sie   liebte   den   Job   schon   jetzt.   Vor   allem   konnte   sie   mit   der Sonnenbrille   auf   der   Nase   soviel   schauen   wie   sie   wollte,   ohne   dass   es   jemand   bemerken   würde. Das   war   der   Vorteil   an   Kalifornien:   sie   konnte   selbst   im   Spätherbst   eine   Sonnenbrille   tragen,   ohne dass das jemand seltsam fand. Da   sie   etwas   früher   angekommen   war,   hatte   sie   genügend   Zeit,   sich   den   Stützpunkt,   auf   dem   die TURTs    –    Terrorism    Undercover    Reconnaissance    Team    –    in    Zukunft    stationiert    sein    würden, anzuschauen.   Kyla   blieb   vor   dem   Trainingsparcours   stehen   und   sah   zu,   wie   die   SEAL-Anwärter   bis an    die    Grenzen    ihrer    Belastbarkeit    gefordert    wurden.    Das    würde    ihr    im    Training    wohl    auch blühen,   doch   sie   hatte   davor   keine   Angst.   Dank   des   Fitnessraums   der   Polizei   war   sie   in   exzellenter Form.   Einer   der   Anwärter   auf   dem   Balken   blickte   zu   ihr   hinüber   und   blieb   abrupt   stehen,   der Mann hinter ihm lief ungebremst in ihn hinein. Beide stürzten zu Boden. Der   die   Trainingseinheit   leitende   SEAL   drehte   sich   um   und   warf   ihr   einen   bösen   Blick   zu.   Kyla konnte   nicht   anders,   sie   lächelte   ihn   an.   Er   sah   aber   auch   heiß   aus   in   seinen   kurzen   Shorts   und mit   dem   gestählten   Körper.   Wenn   möglich   wurde   sein   Blick   noch   finsterer   und   er   stapfte   zu   ihr hinüber.   Aus   der   Nähe   wirkte   er   noch   eindrucksvoller,   allerdings   auch   älter,   als   sie   zuerst   gedacht hatte.   Vermutlich   war   er   bereits   über   vierzig,   wie   die   Falten   um   seine   Augen   und   die   wenigen grauen   Haare   in   dem   ansonsten   schwarzen   Kurzhaarschnitt   zeigten.   Dicht   vor   ihr   blieb   er   stehen und sie musste ein ganzes Stück zu ihm hinaufblicken. „Haben Sie sich verlaufen, Miss?“ Kyla   schob   die   Sonnenbrille   auf   ihren   Kopf   und   lächelte   ihn   an.   „Nein.   Ich   bin   Kyla   Mosley,   eine der   neuen   TURT/LEs.“   Sie   streckte   ihm   die   Hand   hin   und   er   ergriff   sie   zögernd.   Noch   immer   wirkte er alles andere als erfreut. „Rock   Basilone,   Senior   Chief   von   SEAL   Team   11.   Wir   werden   viel   mit   euch   trainieren.   Und   jetzt verschwinde hier, du lenkst die Jungs ab.“ Kyla grinste ihn an. „Ich freue mich schon darauf.“ Seine   Augenbrauen   schossen   bei   ihrer   Antwort   in   die   Höhe,   doch   er   drehte   sich   nur   um   und kehrte   wieder   zum   Parcours   zurück.   Die   jungen   Männer   standen   herum   und   starrten   in   ihre Richtung.    „Habe    ich    gesagt,    dass    ihr    eine    Pause    machen    dürft?    Los,    an    die    Arbeit!    Drei Extrarunden.“ Lächelnd   machte   Kyla   sich   auf   den   Weg   zu   der   Baracke,   die   als   vorläufiges   Hauptquartier   der TURTs   dienen   würde.   Sie   konnte   es   kaum   erwarten,   mit   der   Arbeit   anzufangen.   Schon   immer hatte   sie   Herausforderungen   geliebt,   und   als   Undercover-Agentin   ihren   Beitrag   im   Kampf   gegen den     Terrorismus     zu     leisten,     schien     ihr     eine     gute     Gelegenheit     zu     sein.     Als     damals     die Zwillingstürme   des   World   Trade   Center   angegriffen   wurden,   war   sie   noch   in   der   Polizeiausbildung gewesen,   aber   die   schrecklichen   Bilder   dieses   Tages   hatten   sich   in   ihr   eingebrannt.   Viele   ihrer Kollegen   waren   nicht   zurückgekommen,   andere   schwer   verletzt   oder   traumatisiert.   Sie   hatte   sich hilflos   gefühlt,   wütend,   dass   sie   nichts   tun   konnte,   um   die   Terrorakte   zu   stoppen.   Doch   jetzt   hatte sie eine Möglichkeit dazu beizutragen, und das fühlte sich richtig an. Da   sie   immer   noch   Zeit   hatte,   blieb   Kyla   vor   der   Baracke   stehen   und   lehnte   sich   mit   dem   Rücken gegen   die   Wand.   Mit   halb   geschlossenen   Augen   genoss   sie   die   wärmenden   Sonnenstrahlen   auf ihrem Gesicht. Sie könnte sich wirklich an dieses Klima gewöhnen. „Findet hier eine Modenschau statt?“ Bei   der   unerwarteten   Frage   riss   Kyla   die   Augen   auf   und   stieß   sich   von   der   Wand   ab.   Vor   ihr   stand eine   Frau   in   ihrem   Alter,   die   zwanzig   Zentimeter   größer   und   wesentlich   schlanker   war   und   mit ihren   kurzen   dunklen   Haaren   und   ohne   jedes   Make-up   wie   ihr   genaues   Gegenteil   wirkte.   „Nicht, dass ich wüsste. Warum?“ Die   Fremde   schüttelte   nur   den   Kopf   und   wollte   an   ihr   vorbeigehen,   doch   Kyla   hielt   sie   auf.   „Ich   bin Kyla Mosley. Gehörst du zu den TURT/LEs?“ „Ja.   Jade   Phillips.   Und   was   machst   du   hier?“   Es   hörte   sich   an,   als   würde   sie   nur   aus   Höflichkeit fragen. Kyla grinste sie an. „TURT/LE.“ Jades Augenbraue schoss in die Höhe. „Tatsächlich? Was hast du vorher gemacht?“ „SWAT in New York.“ Respekt   trat   in   Jades   Augen,   als   ihr   Blick   noch   einmal   über   Kylas   Körper   glitt.   „Dann   bist   du   sicher gut in Form.“ „Jup.   Und   du   warst   FBI?“   Auf   Jades   erstaunten   Blick   hin   lachte   sie.   „Glaub   mir,   ich   hatte   genug   mit FBI-Agenten zu tun und erkenne sie sofort.“ „Woran?“ „Ich glaube, es ist dieses steife Benehmen, als wären sie etwas Besseres.“ Röte   stieg   in   Jades   Wangen.   „Das   war   keine   Absicht.   Ich   bin   neu   hier   und   möchte   den   Job   gut erledigen.“ Lächelnd trat Kyla neben sie. „Dann sind wir schon zwei. Wollen wir reingehen?“ Jade   nickte   stumm   und   folgte   Kyla   in   die   Baracke.   Es   waren   bereits   einige   Männer   und   Frauen anwesend,   die   sich   zu   ihnen   umdrehten.   Einen   Moment   lang   herrschte   Stille,   dann   setzten   die Gespräche   wieder   ein.   Kyla   mischte   sich   unter   die   Leute   und   lernte   einige   weitere   TURT/LE- Agenten   kennen,   während   Jade   meist   schweigend   daneben   stand.   Sie   musste   eindeutig   noch   ein wenig lockerer werden, aber das würde Kyla schon hinkriegen. Erneut   kamen   die   Gespräche   ins   Stocken,   als   zwei   Männer   eintraten,   denen   man   ansehen   konnte, dass sie hier den Ton angaben. Der   Größere   trat   einen   Schritt   vor.   Seine   dunkelblonden   Haare   waren   kurz   geschoren   und   er hatte   strahlend   grüne   Augen.   „Ich   bin   Daniel   Hawk   und   hier   auf   der   Basis   für   das   TURT-Programm zuständig.   Das   hier   neben   mir   ist   Captain   Matt   Colter,   er   ist   die   Liaison   zu   den   SEAL-Teams   und auch   für   das   körperliche   Training   zuständig.   Und   ich   kann   euch   jetzt   schon   versprechen,   dass   er sehr   hohe   Maßstäbe   ansetzen   wird.   Ihr   werdet   hier   in   den   nächsten   Monaten   aber   nicht   nur körperlich   in   Form   gebracht,   sondern   auch   alles   lernen,   was   ihr   zum   Überleben   während   einer Undercover-Mission   braucht.   Wie   ihr   Informationen   erhaltet   und   verarbeitet,   wie   ihr   für   die   Dauer des   Einsatzes   zu   einem   anderen   Menschen   werdet.   Ich   freue   mich,   dass   ihr   hier   seid   und   bin   mir sicher,   dass   wir   gemeinsam   den   Terroristen   das   Leben   sehr   schwer   machen   werden.   Jetzt   genießt noch   euren   letzten   freien   Tag,   ab   morgen   geht   das   Training   los.“   Er   lächelte   und   Kyla   hörte,   wie Jade   nach   Luft   schnappte.   Aus   den   Augenwinkeln   sah   sie,   dass   Jades   Blick   förmlich   an   Hawk klebte – und nicht nur an seinen Lippen. Kyla grinste. Oh ja, es würde hier sehr interessant werden. [Diese Szene wurde zuerst veröffentlicht im Katalog der LoveLetter Convention Berlin 2012.] *** Shahla und Hamid (Szene aus dem Epilog von ‚Gefährlicher Einsatz‘ aus Hamids Sicht) Landstuhl Regional Medical Center, Deutschland Sowie    er    in    Deutschland    das    Flugzeug    verließ,    wusste    Hamid,    dass    er    einen    Fehler    beging. Trotzdem   schaffte   er   es   nicht,   Shahla   fernzubleiben.   Eigentlich   müsste   er   gleich   weiterfliegen, seine   Aufgabe   war   erledigt,   Khalawihiri   war   in   amerikanischem   Gewahrsam.   Stattdessen   betrat   er das   Landstuhl   Regional   Medical   Center   und   erkundigte   sich   an   der   Anmeldung   nach   der   TURT/LE- Agentin.   Shahla   hatte   sich   trotz   oder   vielleicht   gerade   wegen   der   heiklen   Situation   in   den   letzten Tagen   heimlich   in   sein   Herz   geschlichen.   Und   genau   deshalb   war   es   ein   Fehler,   hier   zu   sein.   Er sollte   lieber   einen   klaren   Schnitt   machen   und   die   Sache   abhaken.Als   er   die   Zimmernummer   hatte, wandte   er   sich   automatisch   dem   Treppenhaus   zu.   Er   war   noch   nicht   bereit,   wieder   in   einen Fahrstuhl   zu   steigen,   in   dem   es   nur   einen   Ausgang   gab   und   keine   Möglichkeit   sich   zu   verteidigen. Automatisch   tastete   seine   Hand   nach   der   Pistole,   doch   die   hatte   er   am   Eingang   abgeben   müssen. Hamid   ging   den   langen   Gang   entlang,   der   zu   Shahlas   Zimmer   führte.   Bevor   er   die   Tür   öffnete, strich   er   über   sein   glattrasiertes   Kinn.   Es   war   ungewohnt,   nachdem   er   so   lange   einen   Vollbart getragen hatte. Zögernd   drückte   er   die   Klinke   hinunter   und   blickte   in   den   Raum.   Shahla   lag   mit   geschlossenen Augen   im   Bett,   ihrem   bleichen   Gesicht   war   die   Qual   der   letzten   Tage   anzusehen.   Hamid   zog   sich einen    Stuhl    dicht    neben    das    Bett    und    setzte    sich.    Mit    dem    Finger    fuhr    er    vorsichtig    ihre Gesichtszüge   nach,   um   sie   nicht   aufzuwecken.   Er   wünschte,   er   könnte   in   ihre   wunderschönen grünen Augen sehen, aber es war besser, wenn sie gar nicht merkte, dass er da war. Eigentlich   wollte   er   nur   kurz   nach   ihr   sehen,   aber   schließlich   blieb   er   doch   mehrere   Stunden.   Erst als   ein   Arzt   ins   Zimmer   kam,   stand   er   auf.   Er   schrieb   eine   Nachricht   und   legte   sie   ihr   zusammen mit   seinem   Talisman   in   die   Hand.   Nach   kurzem   Zögern   beugte   er   sich   über   sie   und   küsste   sie sanft   auf   den   Mund.   Vor   der   Tür   unterhielt   er   sich   mit   dem   behandelnden   Arzt   und   ging   dann rasch   auf   das   Treppenhaus   zu,   damit   er   nicht   Gefahr   lief,   doch   bei   Shahla   zu   bleiben.Am   Ende   des Korridors    zog    er    gerade    die    Glastür    auf,    als    er    hinter    sich    einen    Laut    hörte.    Ohne    sich umzudrehen, wusste er, dass Shahla ihn entdeckt hatte. „Hamid?“Schmerz   durchzuckte   ihn,   als   er   ihre   Stimme   hörte   und   er   schloss   kurz   die   Augen.   Dann trat   er   durch   die   Tür   und   lief   schnell   die   Treppe   hinunter,   um   nicht   der   Versuchung   zu   erliegen,   zu ihr zurückzukehren. [Diese Szene wurde zuerst veröffentlicht im Katalog der LoveLetter Convention  Berlin 2013.] *** Gelöschte Szene aus 'Brisanter Auftrag' SEAL Team 11, Afghanistan                                                     Cat   blickte   sich   in   dem   kleinen   Hangar   um   und   suchte   nach   Devils   vertrauter   Gestalt.   Sie   hatten verabredet,   sich   hier   zu   treffen,   um   dann   zusammen   Richtung   Heimat   zu   fliegen.   Doch   bisher   war Devil   noch   nicht   aufgetaucht.   Doc   und   Q   waren   bereits   in   Deutschland,   deshalb   waren   sie   nur   zu viert,   er   selbst,   Snake,   Gimmick   und   Jackie.   Letztere   beide   waren   dick   verbunden   und   hätten eigentlich    auch    mit    einem    Sanitätsflugzeug    transportiert    werden    sollen,    aber    sie    hatten    sich geweigert. Wo war Devil, verdammt noch mal? Das Flugzeug würde in fünf Minuten losfliegen. Genervt   zog   er   sein   Handy   heraus   und   rief   seinen   CO   an.   Sofort   meldete   sich   die   Mailbox.   Cat sprach   eine   kurze   –   und   deutliche   –   Nachricht   darauf,   dann   beendete   er   die   Verbindung   und wählte   erneut.   Als   Matt   sich   meldete,   fiel   Cat   ihm   ins   Wort.   „Weißt   du,   wo   Devil   ist?“Seine   Finger krampften   sich   um   das   Gehäuse,   als   Matt   kurz   schwieg.   „Nein.   Ist   er   nicht   bei   euch?“„Würde   ich dann    nach    ihm    fragen?“    Cat    atmete    tief    durch,    als    er    erkannte,    dass    er    ungerecht    war. „Entschuldige. Hast du mit Devil gesprochen?“ „Ja.   Ich   glaube,   er   befürchtet,   dass   die   TURT/LE-Agentin   in   Gefahr   sein   könnte.   Er   hat   zwar   nicht gesagt,    was    er    vorhat,    aber    er    meinte,    er    wäre    noch    nicht    transportfähig.    Ich    könnte    mir vorstellen, dass er einen Weg gefunden hat, noch nicht nach Hause fliegen zu müssen.“ „Verdammt!“   Cat   rieb   über   seine   kurzrasierten   Haare.   „Okay,   ich   werde   sehen,   dass   zumindest Snake und ich auch hierbleiben.“ „Das   kannst   du   nicht   machen.   Ihr   habt   eindeutige   Befehle,   Cat.   Wenn   ihr   nicht   in   das   Flugzeug steigt, seid ihr offiziell AWOL. Du weißt, was das für eure weitere Karriere bedeutet.“ Das   wusste   er   nur   zu   gut.   „Aber   wir   können   ihn   doch   nicht   einfach   im   Stich   lassen!   Es   war schlimm   genug,   ihm   während   des   Kampfes   nicht   helfen   zu   können   und   zu   wissen,   dass   er   sich   für uns   opfert.   Du   weißt,   dass   Devil   dazu   neigt,   Alleingänge   zu   machen   und   gar   nicht   auf   die   Idee kommt,   um   Hilfe   zu   bitten.   Und   diesmal   ist   er   verletzt   und   nach   den   Erlebnissen   vielleicht   auch psychisch   belastet.   Es   ist   Irrsinn,   alleine   hier   zu   bleiben.“   Ein   Blick   in   die   Gesichter   der   anderen zeigte ihm, dass sie genauso dachten. „Ich   verstehe   dich,   Cat.   Aber   in   dem   Fall   ist   es   wirklich   besser,   wenn   ihr   zurückkommt,   das   Team ist größtenteils verletzt und nicht einsatzbereit.“ „Snake und ich können ...“. Matt   unterbrach   ihn.   „Wenn   Devil   nicht   gefunden   werden   will,   bringt   es   gar   nichts,   wenn   ihr   eure Karriere dafür opfert.“ „SEALs lassen kein Teammitglied im Stich!“ „Das   ist   mir   völlig   bewusst.   Und   das   werden   wir   auch   nicht.   Team   8   ist   bald   vor   Ort,   ich   werde   mit Clint   sprechen   und   dafür   sorgen,   dass   sie   Devil   unterstützen,   wenn   es   nötig   sein   sollte.“   Matts Stimme    wurde    sanfter.    „Sei    vernünftig,    Cat.    Es    würde    das    ganze    Team    zerreißen,    wenn    ihr rausgeworfen werdet.“ Und   damit   hatte   Matt   das   einzige   Argument   gebracht,   das   bei   Cat   zog.   Was   er   wahrscheinlich genau   wusste,   schließlich   kannten   sie   sich   bereits   seit   etlichen   Jahren.   „Mir   gefällt   das   nicht.“„Mir genauso   wenig,   das   kannst   du   mir   glauben.   Aber   Devil   hat   seine   Entscheidung   getroffen,   und   er will sicher nicht, dass ihr dafür bezahlt.“ Cat   drehte   sich   um   und   blickte   zum   Eingang   des   Hangars,   in   der   Hoffnung,   dass   Devil   doch   noch auftauchte.   Aber   er   kam   nicht.   „Okay.   Aber   wenn   diesem   sturen   Bock   was   passiert,   werde   ich ernsthaft sauer.“ Ein   Lachen   drang   durch   die   Leitung.   „Nicht   nur   du.   An   deiner   Stelle   würde   ich   ein   ernsthaftes Gespräch mit Devil führen, wenn er wieder zurück ist.“ „Das   habe   ich   vor.“   Cat   beendete   das   Gespräch   und   wandte   sich   dann   wieder   den   Männern   zu, die   ihn   angespannt   beobachteten.   Zwar   hatten   sie   nicht   gehört,   was   Matt   gesagt   hatte,   aber   sie konnten sich an seinen Antworten zusammenreimen, was geschehen war. Jackie    war    wie    immer    der    erste,    der    sprach.    „Habe    ich    das    richtig    verstanden?    Devil    kommt nicht?“„Es sieht so aus. Anscheinend hat er es so gedreht, dass er noch hierbleiben kann.“ „Warum   sollte   er   das   wollen?   Er   glaubt   doch   wohl   nicht,   dass   er   ohne   sein   Team   viel   ausrichten kann?“ Ärger schwang in Snakes Frage mit. „Er hat wohl das Gefühl, dass die Agentin in Gefahr sein könnte.“ Das brachte alle für einen Moment zum Schweigen. „Dann müssen wir ihm helfen.“ Gimmicks Stimme war ruhig. Cat   stieß   einen   stummen   Seufzer   aus.   „Wir   haben   unsere   Befehle   und   die   lauten,   dass   wir   sofort zurückkommen   sollen.   Noch   dazu   ist   der   Großteil   des   Teams   außer   Gefecht   gesetzt.“   Er   hob   seine Hand,   als   Jackie   etwas   einwenden   wollte.   „Wir   wissen   auch   nicht,   wo   Devil   jetzt   ist.   Es   könnte   also sein,   dass   wir   unsere   Karriere   als   SEALs   aufs   Spiel   setzen   und   ihn   überhaupt   nicht   finden.   Und wenn Devil unsere Hilfe gewollt hätte, hätte er danach gefragt.“ Die   anderen   blickten   ihn   skeptisch   an.   Snake   schnaubte.   „Devil   hat   noch   nie   um   irgendetwas gebeten, er dreht lieber sein eigenes Ding.“ Insgeheim   musste   Cat   ihm   recht   geben.   „Matt   wird   mit   Clint   sprechen   und   ihn   bitten,   dass   Team   8 einen   Blick   darauf   behält   und   ihn   zur   Not   unterstützt.   Und   so   ungern   ich   das   auch   zugebe,   es   ist vermutlich besser, wenn ein frisches und vor allem vollständiges Team das tut.“ Unbehagliches Schweigen herrschte, das nur zögernd gebrochen wurde. Snake   hatte   die   Arme   über   der   Brust   verschränkt.   „Ich   finde   das   trotzdem   nicht   richtig.   Wir   sollten bei ihm sein.“ „Ist   notiert.   Und   ich   sehe   es   genauso,   Snake.   Trotzdem   lautet   meine   Entscheidung,   dass   wir   nach Hause   fliegen.“   Cat   verzog   den   Mund.   „Und   wenn   Devil   dann   nachkommt,   werden   wir   ihm   sagen, was wir von seinen Alleingängen halten.“ „Wenn   er   überlebt.“   Snake   wartete   keine   Antwort   ab,   sondern   schulterte   seine   Ausrüstung   und ging zum Flugzeug. Cats   Brustkorb   zog   sich   zusammen.   Sein   Instinkt   sagte   ihm,   dass   Devil   sie   brauchen   würde,   aber er   musste   auch   an   das   Team   denken.   Durch   die   vielen   Verletzungen   und   Devils   Alleingang   stand das    Weiterbestehen    des    Teams    in    den    Sternen,    er    konnte    nur    hoffen,    dass    er    es    irgendwie zusammenhalten    konnte.    Ärger    auf    Devil    stieg    in    ihm    auf    und    er    freute    sich    schon    auf    die Gelegenheit,   ihm   klar   und   deutlich   die   Meinung   zu   sagen,   wenn   er   ihn   das   nächste   Mal   sah.   Es würde ihn wirklich ärgern, wenn Devil sich vorher umbringen ließ. „Okay,    los    geht’s.“    In    den    Gesichtern    der    anderen    konnte    er    die    gleiche    Unentschlossenheit erkennen,   die   sicher   auch   auf   seinem   lag.   Aber   diesmal   konnten   sie   ihre   Befehle   nicht   umgehen und   damit   davonkommen,   so   wie   beim   letzten   Mal.   Mit   einer   Mischung   aus   Schuldgefühl   und   Wut betrat   Cat   die   Militärmaschine.   Niemand   sprach,   während   sie   auf   den   Start   warteten.   Verdammt, Devil, wo zum Teufel bist du? [Diese Szene stammt aus der Ursprungsfassung von 'Brisanter Auftrag und wurde gelöscht.] *** Gelöschte Szene aus 'Brisanter Auftrag' SEAL Team 8, Little Creek, Virginia                                      Als    Lieutenant    Commander    Nathan    Redfield,    CO    von    SEAL    Team    8,    in    das    Büro    seines Vorgesetzten   und   Freundes   Clint   Hunter   kam,   konnte   er   an   dessen   Miene   erkennen,   dass   etwas passiert    sein    musste.    Normalerweise    war    es    schwer,    dem    Captain    überhaupt    ein    Gefühl anzusehen   –   außer   es   ging   um   seine   Familie,   seine   Lebensgefährtin   Karen   oder   seine   Tochter Maya   –   aber   diesmal   wirkte   sein   Gesicht   beinahe   versteinert,   seine   hellbraunen   Augen   dunkler   als sonst. Red   ließ   sich   in   den   Besucherstuhl   fallen.   „Du   hast   mich   rufen   lassen?“   Den   ganzen   Tag   über   hatte er   mit   dem   Team   an   einer   kraftraubenden   Übung   teilgenommen   und   freute   sich   schon   auf   seinen wohlverdienten   Feierabend.   Nur,   dass   es   gerade   nicht   so   aussah,   als   würde   er   den   in   absehbarer Zeit bekommen. Clint   faltete   seine   Hände   auf   dem   Schreibtisch   und   beugte   sich   vor.   „Team   11   hatte   die   Aufgabe, in Afghanistan Mansoor Rahid zu fassen.“ Überrascht     pfiff     Red     durch     die     Zähne.     „Hat     endlich     mal     jemand     seinen     Aufenthaltsort herausgefunden?“ Die   Mundwinkel   seines   Freundes   bogen   sich   nach   unten.   „Zumindest   deuteten   die   Hinweise darauf hin. Dummerweise ist das Team nicht dazu gekommen, das zu verifizieren.“ Ein schlechtes Gefühl breitete sich in Red aus. „Was ist passiert?“ „Eine   Frau   wurde   direkt   vor   dem   Team   in   die   Luft   gejagt.   Etliche   von   ihnen   wurden   dabei   verletzt, einige   danach   bei   einem   Feuergefecht.   Devil   hat   den   Rückzug   gesichert   und   ist,   um   die   Terroristen von   seinem   Team   abzulenken   in   das   Gebäude   eingedrungen.   Dort   ist   er   wohl   in   die   Hände   der Terroristen gefallen.“ „Verdammt!“   Devils   Team   war   es   gewesen,   das   damals   die   Rettung   der   Agentin   übernommen hatte,   als   der   Hubschrauber   mit   Team   8   an   Bord   abgeschossen   worden   war.   Ein   Jahr   später   hatte Red   ihn   und   auch   die   anderen   Teammitglieder   persönlich   getroffen,   als   sie   Clint   dabei   geholfen hatten,   seine   Schwester   aus   den   Klauen   einer   amerikanischen   Terrorgruppe   zu   befreien.   „Wissen wir, wo er jetzt ist? Kann sein Team ihn befreien?“ „Nein,   nur   zwei   von   ihnen   sind   unverletzt,   die   anderen   nicht   einsatzfähig.“   Clints   Fingerknöchel stachen   weiß   hervor   und   Red   erinnerte   sich   daran,   dass   diese   Männer   früher   Clint   unterstanden hatten, als er noch im aktiven Dienst an der Westküste war. „Das   tut   mir   leid.“   Red   wusste,   wie   nah   es   seinem   Freund   ging,   wenn   Männer,   die   er   als   ‚seine’ betrachtete, verletzt wurden oder gar starben. „Ist Devil noch in dem Gebäude?“ „Nein.   Niemand   weiß,   wo   er   jetzt   ist   und   die   Verstärkung   wurde   bereits   abgezogen,   weil   die Situation   zu   unübersichtlich   ist.“   Clint   stand   abrupt   auf   und   drehte   sich   zum   Fenster   um.   „Sie wollen   warten,   bis   ein   Spezialteam   vor   Ort   ist.   Es   ist   allerdings   keines   in   der   Nähe.“   Sein   Freund drehte sich um und blickte Red bittend an. „Ich möchte, dass ihr dorthin fliegt.“ Aufregung breitete sich in Red aus. „Um Rahid festzusetzen?“ Clint   nickte.   „Und   Devil   zu   suchen.   Ich   könnte   auch   ein   anderes   Team   schicken,   aber   bei   dir   weiß ich, dass du Devil nicht im Stich lassen wirst.“ Damit hatte sein Vorgesetzter völlig recht. „In Ordnung. Wann sollen wir los?“ „Sofort. Ich habe bereits ein Flugzeug angefordert.“ Red erhob sich. „Aye, Captain.“ Unerwartet   trat   Clint   vor   ihn   und   legte   seine   Hand   auf   Reds   Schulter.   „Sei   bitte   vorsichtig,   Red. Rahid spielt nicht fair und ich möchte nicht noch einen Freund verlieren.“ [Diese Szene stammt aus der Ursprungsfassung von 'Brisanter Auftrag und wurde gelöscht.]